1. fremdsein Training

Von 25. bis 27. September haben sich junge Menschen zum fremdsein Dialogtraining in der Veitsch (Stmk) getroffen, um herauszufinden, wie das Thema Flucht und Asyl in der Kinder- und Jugendarbeit spielerisch bearbeitet werden kann.

Die Gruppe der insgesamt 17 TeilnehmerInnen war bunt zusammengewürfelt und hoch motiviert: vom Klassenvorstand einer Neuen Mittelschule, über mehrere MitarbeiterInnen aus der offenen Jugendarbeit bis hin zu vielen Freiwilligen, die sich in ihrer Freizeit an Bahnhöfen und anderen Orten für vertriebene Menschen engagieren.

Zentrales Element des Wochenendes war das Planspiel „fremdsein“ um sich dieser komplexen und häufig emotional aufgeladenen Thematik spielerisch zu nähern. Grundidee ist, die einzelnen Schritte und damit verbundenen Erfahrungen eines Erstaufnahmeverfahrens erlebbar zu machen. Die TeilnehmerInnen schlüpfen also in die Rollen von Asylsuchenden, PolitikerInnen, RichterInnen, SozialarbeiterInnen usw. und meistern die damit einhergehenden Herausforderungen und Aufgaben.

Die unmittelbare Reflexion des im Planspiel Erlebten sowie die daran anschließende Reflexion von verschiedenen Planspielmethoden nahmen ebenfalls viel Raum im Training ein.

Als inhaltlichen Schwerpunkt und zur Vertiefung des Themenkomplexes wurden ExpertInnen aus verschiedenen Bereichen zu einer Diskussion eingeladen: ein Wassertechniker, der in UNHCR Flüchtlingslagern im Tschad mit Ärzte ohne Grenzen im Einsatz war, eine Lehrerin, die an einer “Brennpunkt-Schule” (99% SchülerInnen mit Migrationshintergrund) unterrichtet, ein Mitarbeiter der Caritas, der seit mehreren Wochen an Wiens Bahnhöfen tätig ist, sowie ein Asylwerber, der aus Zimbabwe geflüchtet ist und seit einigen Monaten das Bleiberecht zugesprochen bekommen hat. Der Austausch war sehr rege, informativ und tiefgehend.

Abgerundet wurde das Training mit einem Zeitzeugengespräch, das die Realität des Planspieles auf besondere Weise abgleicht und einen festen Bestandteil des Workshopkonzeptes fremdsein darstellt. Ein Flüchtling aus Afghanistan erzählte über seine Flucht ins Ungewisse. Von Schwerstarbeit, Gefängnisaufenthalt, tagelange Märsche durch Berge, Hunger, einer lebensgefährlichen Bootsüberfahrt, über Verletzungen und Todesangst bis hin zu lebenslangen Freundschaften, dem 1. Vanilleeis in Italien und Unvergessliches – das Erzählen, Zuhören und unmittelbar Nachfragen können, sind äußerst wertvolle Bestandteile von Oral history.

Das erste Fremdsein Dialogtraining war aus unserer Sicht ein voller Erfolg: viele engagierte, interessierte und sympathische Menschen, ein toller Veranstaltungsort inmitten der Natur und interessante Diskussionen und Erfahrungsaustausch rund ums Thema Flucht und Asyl.